Edison Arantes do Nascimento - 10 Dinge, die Sie noch 11FREUNDE

November 2024 · 4 minute read

1.
Die Welt kennt Edison »Edson« Arantes do Nasci­mento als Pelé. Wer aller­dings glaubt, dies sei sein erster Spitz­name, der stinkt und lügt. Seine Mutter hatte kurz nach der Geburt einen Kose­namen parat, den sich nur Mütter aus­denken können: Dico. Später, schmale 15 Jahre alt, ver­passte ihm Mann­schafts­kol­lege Wilson vom FC Santos gar den erstaun­li­chen Namen »Gaso­lina« – Benzin.

2.
Aber den­noch, machen wir uns nichts vor: »Pelé« ist der berühm­teste Künst­ler­name eines Fuß­bal­lers aller Zeiten. Mit seinem Kürzel wurde Edson Arantés do Nasci­mento nicht nur welt­be­kannt, er ließ sich Erfolg und Spitz­namen später auc­so­garh noch ver­golden, indem er Firmen und Marken mit der legen­dären Unter­schrift ver­ein­nahmte. Ver­ant­wort­lich für den Spitz­namen soll ein Kol­lege beim Stra­ßen­ge­bolze gewesen sein, der aller­dings zunächst heftig Keile des spä­teren »Fuß­baller des Jahr­hun­derts« kas­sieren musste – Pelé fand »Pelé« ein­fach zu ame­ri­ka­nisch. Klar, dass des­halb die Fäuste flogen.

3.
Viele Legenden ranken sich um die Namens­ge­bung Pelés. Eine wei­tere geht so: »Pe-le«, schrien tür­ki­sche Migran­ten­kin­derin einem Gemisch aus ihrer Hei­mat­sprache und por­tu­gie­sisch beim Kick mit dem kleinen Edson Arantes do Nasci­mento, weil er einen Ball mit der Hand spielte. »Pe-le«, das heißt frei über­setzt: «Mit dem Fuß, Dumm­kopf.«

4.

Am 19. November 1969 legte Pelé mit seinem 1000. Tor das ganze Land lahm, wochen­lang hatte Bra­si­lien auf dieses Ereignis gewartet, ein eigens dafür enga­gierter Stein­metz schlug schleu­nigst Hammer und Meißel warm, als Pelé im Mara­cana seine his­to­ri­sche Hütte geschossen hatte. Dass der 1000. Treffer ein schnöder Elf­meter gewesen war, dem zudem noch ein ziem­lich merk­wür­diger Elf­me­ter­pfiff des offenbar unter Druck ste­henden Schieds­rich­ters vor­aus­ge­gangen war, inter­es­sierte hin­terher keinen Men­schen mehr. Nur die Zei­tung »Folha de Sao Paulo« monierte zag­haft, es sei bereits das 1001. Tor Pelé gewesen, man habe einen Treffer sei­ner­seits für die Mili­tär­aus­wahl über­sehen… Doch die sta­tis­ti­sche Man­gel­mel­dung ging im all­ge­meinen Trubel unter. Pelé erin­nerte sich später: »Am nächsten Morgen gab es auf der ersten Seite der Zei­tungen zwei Ereig­nisse: Jenes Tor Nr. 1000 und die zweite Mond­lan­dung der ame­ri­ka­ni­schen Astro­nauten Conrad und Bean. Mich hat diese Gleich­stel­lung dieser beiden Dinge eher belus­tigt. Was waren schon tau­send Tore gegen eine Fahrt auf den Mond?« Wir hin­gegen möchten ein­werfen: Was ist schon eine Fahrt auf den Mond gegen tau­send Tore?

5.
Nette Anek­dote von der Welt­meis­ter­schaft 1970 in Mexiko: Wäh­rend der drei Vor­run­den­spiele Bra­si­liens hingen im Quar­tiersort Gua­d­a­la­jara überall Pla­kate mit der Auf­schrift: »Hoyno tra­ba­jamos porque vamos a ver a Pelé!« – »Heute arbeiten wir nicht, weil wir Pelé spielen sehen wollen!«

6.
Wie im Zirkus: Nach seinem Wechsel zu Cosmos New York im Jahr 1975 for­derte der Ver­eins­vor­stand, dass die Cosmos-Mann­schaft doch bitte vor dem Spiel ein biss­chen den Ball im Mit­tel­kreis jon­glieren solle. Dadurch könnte man das Publikum vorab schon etwas unter­halten. Die Idee wurde abge­lehnt – einer­seits, weil man Pelé nicht voll­ends zum Zir­kus­clown degra­dieren wollte und ande­rer­seits, weil außer dem bra­si­lia­ni­schen Super­star sowieso nie­mand zwei Minuten lang den Ball jon­glieren konnte.

7.

»Mich als mensch­li­ches Wesen stimmt traurig, dass die Welt heut­zu­tage viel kom­mer­zi­eller ist als nötig. Die Men­schen ver­kaufen sich zu sehr.« (Zitat Pelé)

Ach so:

 
Schön, wenn man sich treu bleibt.

8.

Die bra­si­lia­ni­sche Natio­nal­mann­schaft enga­gierte zur WM 1958 einen Sport­psy­cho­logen. Die Ball­künstler waren noch immer ein­ge­schüch­tert von ihrem letzten Auf­tritt im WM-Halb­fi­nale 1954: In der »Schlacht von Bern« hatten einige Ungarn in Holz­fäl­ler­ma­nier auf die Bra­si­lianer ein­ge­hackt, so dass diese sich nun vor den Zwei­kämpfen mit den euro­päi­schen Kon­tra­henten scheuten. Der Psy­cho­loge Dr. Joao Car­val­hais ließ den WM-Kader des­wegen vor der ersten Partie Bilder malen, um aus diesen Zeich­nungen auf die psy­chi­sche Ver­fas­sung der Spieler zu schließen. Beim Anblick des Gekrit­zels des erst 17-jäh­rigen Pelé fällte er ein ver­nich­tendes Urteil: »Pelé ist zu sehr Kind geblieben. Es fehlt ihm an Kampf­geist und Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl. Er ist zu jung, um jene Ein­satz­freude zu besitzen, die ein Stürmer benö­tigt. Er sollte in keinem Fall ein­ge­setzt werden«, befand der Psy­cho­loge. Pelé schoss ins­ge­samt sechs Tore, zwei davon allein im Finale gegen Schweden und wurde zum Super­star des Tur­niers. Wie man sich irren kann.

9.
Und auch 1970 traute man Pelé nicht allzu viel zu: Bra­si­liens Natio­nal­trainer Jose Sald­anha über­legte ernst­haft den geal­terten Star aus dem WM-Kader zu strei­chen. Offi­zi­elle Begrün­dung: »Kurz­sich­tig­keit«. Sald­anha wurde noch vor der WM ent­lassen, es über­nahm der weit­sich­tige Mario Zagallo. Der Rest ist Geschichte. 

10.

Am Tag nach dem WM-Finale von 1970, bei dem Pelé ein Tor selbst erzielte und eines vor­be­rei­tete, titelte die Lon­doner »Sunday Times« über­groß: »Wie wird Pelé buch­sta­biert? G‑O-T‑T!« Eigent­lich schade, sonst hätten wir die Über­schrift geklaut.

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