Die Sdtribne ist kein Platz fr kleine Kinder

October 2024 · 3 minute read

Bruno Reckers, als Sie 1964 Ihr erstes Spiel von Borussia Dort­mund sahen, waren Sie gerade einmal zehn Jahre alt. War es nicht gefähr­lich, sich als kleiner Steppke unter die Fan­massen zu mischen?
Das war gar kein Pro­blem. Die Borussia hat damals noch im Sta­dion Rote Erde gespielt. Und wann war das denn mal aus­ver­kauft? Viel­leicht zweimal im Jahr. Außerdem war das Sta­dion weit­läufig. Die Hard­core-Fans, sofern man für dama­lige Ver­hält­nisse davon spre­chen konnte, standen in der Nord­kurve. Weiter unten am Zaun, der an die Aschen­bahn grenzte, standen Fami­lien mit ihren Kin­dern. Die konnten sich dort pro­blemlos breit­ma­chen. Es war noch so viel Platz im Sta­dion, dass dort sogar Bier­stände und Würst­chen­buden auf­ge­baut waren.

Im Ernst?
Man hätte da auch einen LKW parken können. Als ich mir meine ersten Borussen-Spiele anschaute, waren viel­leicht 5000 Zuschauer da – in einem Sta­dion, das für bis zu 40.000 Zuschauer Platz bot.

Die Borussia spielt schon lange nicht mehr im Sta­dion Rote Erde, son­dern im West­fa­len­sta­dion. Auf der Süd­tri­büne, wo die treusten BVB-Anhänger stehen, dürfen sich seit dieser Saison keine Kinder unter sieben Jahren mehr auf­halten. Was sagen Sie zu dieser Ent­wick­lung?
Die Süd­tri­büne ist kein Platz für kleine Kinder. Dort ist alles viel zu eng. Das kann man nicht mehr mit früher ver­glei­chen. Ich bin mit 14 Jahren alleine nach Kai­sers­lau­tern zum Aus­wärts­spiel gefahren, aber damals standen Heim- und Gäs­te­fans teil­weise noch im glei­chen Block, ohne dass man sich dar­über Gedanken machen musste. Heute geht alles etwas hek­ti­scher zu. Als wir dieses Jahr Meister wurden, haben einige Zuschauer ver­sucht, den Platz zu stürmen. In so einer Situa­tion will man sein Kind nicht dazwi­schen stehen haben.

In Inter­net­foren haben sich Eltern zu Wort gemeldet, die mit ihren vier­jäh­rigen Kin­dern die Meis­ter­schaft auf der Süd­tri­büne gefeiert haben.
Ich habe in meinem Block noch keine Kinder gesehen, die ich auf unter sieben Jahre geschätzt hätte. Man muss das aber noch nicht mal vom Alter, son­dern eher von der Größe abhängig machen. Ein Mensch unter circa 1,50 Metern sieht dort nichts. Und wenn ein Kind auf den Schul­tern seines Vaters sitzt, ver­sperrt es den anderen Leuten die Sicht.

Über­rascht es Sie, dass der BVB die neue Sta­di­on­ord­nung erst jetzt ver­öf­fent­licht hat?
Nein. Mir drängt sich da eher eine andere Frage auf: Warum muss man so etwas über­haupt fest­legen? Eigent­lich sollte es selbst­ver­ständ­lich sein, ein Klein­kind nicht mit auf die Süd­tri­büne zu nehmen. Dafür gibt es doch den Fami­li­en­block. Ein Kumpel von mir geht dort immer hin. Wenn seine beiden Kids einmal genug haben, können sie sich mit anderen Dingen beschäf­tigen. Kein Kind unter sieben Jahren schaut andert­halb Stunden lang kon­zen­triert einem Fuß­ball­spiel zu.

Die neue Sta­di­on­ord­nung besagt auch, dass Kinder unter 14 Jahren nicht mehr ohne Beglei­tung ins Sta­dion dürfen. Wie stehen Sie dazu?
Ein 13-Jäh­riger kann schon ent­scheiden, ob er alleine ins Sta­dion gehen will. Außerdem ist das ohnehin schwer zu kon­trol­lieren. Die Kinder von heute sind schlau. Wenn sie noch keine 14 sind, spre­chen sie vor dem Sta­dion eben einen älteren Zuschauer an, der sie mit ins Sta­dion nimmt. Da gibt es genug, die das unter­stützen würden. Oder sie geben vor den Ord­nern an, dass ihr Erzie­hungs­be­rech­tigter später nach­kommt. Wenn man seinen Verein liebt, sollte man die Mög­lich­keit haben, ihn auch schon in jungen Jahren zu unter­stützen. Es muss ja nicht die Süd­tri­büne sein.

ncG1vNJzZmhpYZu%2FpsHNnZxnnJVkrrPAyKScpWeUnrJuv4R8al56c5nBs7XBXnpsXXJ4u6Z5yKyrZqOVnrtuvMuaq7NlllqQdHGhfKlmo5yatq%2BxjKSgp5yVp3x2g5hxa3E%3D