Die Bmbe - Begegnung mit Preben Elkjaer Larsen 11FREUNDE

November 2024 · 3 minute read

In meiner Jugend war ich Ver­tei­diger, weil ich zu schlecht war, um Stürmer zu sein. So kam es, dass Stürmer meine Feinde waren und zugleich meine heim­li­chen Helden. Eine Hass­liebe. Und wenn ich hätte sagen müssen, wen auf der Welt ich als Gegen­spieler am meisten gefürchtet und mit wem ich zugleich am liebsten getauscht hätte, wäre die Ant­wort klar gewesen: Preben Elk­jaer Larsen.

An jedem Morgen im Juni 1986 saß ich, acht Jahre alt, vor mir eine Schüssel Corn­flakes mit Bananen, um halb sieben vor dem Fern­seher und schaute mir die Zusam­men­fas­sungen der WM-Spiele an, die in der Nacht statt­ge­funden hatten. Ich ver­stand nicht, warum in Mexiko zwanzig Sonnen vom Himmel kachelten, wäh­rend es in Deutsch­land längst dunkel war und ich von meinem Eltern rigoros in die Mon­chichi-Bett­wä­sche gestopft wurde. Dass jemand aus derart aus­sichts­losen Lagen Tore schießen konnte wie Preben Elk­jaer Larsen. Und warum Däne­mark, für mich spä­tes­tens nach dem 2:0 gegen Deutsch­land der kom­mende Welt­meister, im Ach­tel­fi­nale mit 1:5 gegen Spa­nien unter­ging.

26 Jahre später kann ich ihn das per­sön­lich fragen. Preben Elk­jaer Larsen sieht an diesem Sep­tem­ber­nach­mittag in Kopen­hagen exakt so aus, wie man es 1986 vor­aus­ge­sagt hätte – wie ein ehe­ma­liger Bond-Dar­steller. Blauer Anzug, schicke Schuhe, kan­tiges Kinn, frisch unra­siert. Er blät­tert bei­läufig in der 11FREUNDE-Aus­gabe, die ich ihm mit­ge­bracht habe. Für dieses Magazin muss man sehr schlau sein“, sagt er. Alles mit scharfem S. Dießes Magaßin, ßehr ßlau. Er lächelt. Ich lächele mit, bin aber ver­un­si­chert. Will er mich ver­schau­keln? Wahr­schein­lich. Immerhin habe ich jetzt ein Gefühl dafür, wie er seine Gegen­spieler damals ins Leere laufen ließ.

Im Restau­rant des Tivoli bestellt er Smør­re­brød für uns beide. Sie mögen doch Smør­re­brød“, sagt er, als der Kellner schon fort ist. Der Unter­schied zwi­schen ihm und mir ist vor allem, dass ich die ganze Zeit denke: Toll, diesen Mann mal zu per­sön­lich treffen.“ Er denkt das nicht.

Warum auch. Es ist ja voll­kommen egal, ob ich es bin, dem er was erzählt, eine Kamera oder eine Zim­mer­palme – die Geschichten sind so oder so gran­dios, hart­ge­kocht, poin­ten­si­cher. Der größte Moment meiner Kar­riere war, als ich in Verona zum ersten Mal Hans-Peter Briegel unter der Dusche sah“, sagt er. Welch ein Körper! Wie eine Statue von Michel­an­gelo.“

Er erzählt von seiner unbän­digen Lei­den­schaft fürs Nikotin, wie er einmal beim Quarzen im Kölner Mann­schaftsbus von Hennes Weis­weiler erwischt wurde und dann vor lauter Schreck gleich noch eine geraucht“ hat. Von seinem wohl berühm­testen Tor, dass er einst gegen Juventus Turin ohne Schuh schoss. Von den Frauen, die ihn, den jungen Bond, liebten. Es waren viele“, sagt er. Viel­leicht sogar alle.“ 

Nach­voll­ziehbar und benei­dens­wert. Und da ist sie wieder, die alte Hass­liebe zu Stür­mern. Stür­mern wie ihm. So cool wäre ich auch gern. Tore schießen ohne Schuhe, Smør­re­brød bestellen für alle. Aber ich bin ich, weil ich zu uncool bin, um Preben Elk­jaer Larsen zu sein. 

Das wird sehr deut­lich, als um Punkt 12 Uhr, mir steckt gerade ein Smør­re­brød quer im Mund, plötz­lich ein ohren­be­täu­bendes Geknalle los­bricht. Was ist das?“, schreie ich panisch, schon halb unter der Tisch­platte. Och, das ist nur die Tivoli-Garde. Die spielt hier jeden Morgen ihren Tusch“, sagt Elk­jaer Larsen, lässig Wasser nach­schen­kend. Oder eine Bømbe!“

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Das große Inter­view mit Preben Elk­jaer Larsen findet Ihr in 11FREUNDE #133 – jetzt im Handel!

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